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Weltweit sind ca. 40 Millionen Menschen mit HIV (Humanes Immundefizienz Virus) infiziert.
In Deutschland leben Ende 2009 ca. 67.000 Menschen mit HIV. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen stark an und liegt zur Zeit (Ende 2009) bei etwa 3000 Infektionen pro Jahr. Ungefähr 70% dieser neu diagnostizierten HIV-Infektionen werden bei schwulen Männern festgestellt.

Die HI-Viren schädigen bestimmte Zellen des Immunsystems, die CD4-Helferzellen genannt werden. Diese Zellen sind mit einer Kommandozentrale vergleichbar, die dann aktiv wird, wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen. Durch die HI-Viren werden diese Zellen geschädigt, so dass sich der Körper gegen eindringende Erreger immer weniger wehren kann und schwere Erkrankungen die Folge sind. Neueren Untersuchungen nach wird der Körper auch durch die dauernde Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Erreger geschädigt.

Übertragungswege

HI-Viren gehören zu den schwer übertragbaren Erregern; an der Luft sterben sie durch Austrocknung schnell ab. Eine Ansteckung mit HI-Viren ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Beispielsweise spielt die Viruskonzentration, die Menge der infektiösen Körperflüssigkeit, die Dauer des Kontaktes und der eigene Gesundheitszustand eine Rolle. Nicht jeder Kontakt mit dem Virus führt zwangsläufig auch zu einer Ansteckung.

Die höchste Viruskonzentration findet sich im Blut, im Sperma und in dem Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut.

Es gibt zwei Wege der HIV-Übertragung:
1. wenn Viren aus infektiösen Körperflüssigkeiten, wie Blut oder Sperma, auf geschädigte Haut (offene Wunden oder flächig entzündete Haut) oder auf die Schleimhaut oder direkt in die Blutbahn gelangen oder
2. von Schleimhaut zu Schleimhaut, beispielsweise Darmschleimhaut und Vorhaut.
Ein besonderes Übertragungsrisiko stellt der ungeschützte Analverkehr dar. Du bist sowohl als aktiver, als auch als passiver Partner gefährdet. Besonders gefährlich ist der passive Analverkehr mit Spermakontakt, da die Viruskonzentration im Sperma besonders hoch sein kann. Hier werden die Viren entweder über winzige Hautrisse in der sehr empfindlichen Darmschleimhaut oder über die Darmschleimhaut selbst aufgenommen.

Infizieren kannst du dich als passiver Partner aber auch ohne Spermakontakt, da in der Vorhaut und am Vorhautbändchen des aktiven Partners Zellen sitzen, die die HI-Viren auf Zellen der Darmschleimhaut übertragen können.

Beim aktiven Partner können HI-Viren über die in der Vorhaut und am Vorhautbändchen sitzenden HIV-aufnahmefähigen Zellen aufgenommen werden. Deshalb ist auch der aktive Partner gefährdet und keineswegs auf der sicheren Seite.

Beim Oralverkehr mit Spermakontakt hast du ebenfalls ein Infektionsrisiko. Dies gilt ganz besonders, wenn du Verletzungen im Mund, am Zahnfleisch oder Schleimhautschädigungen im Rachen, z. B. durch einen Tripper, hast.

Bei ungeschütztem Oralverkehr ohne Spermakontakt ist das Risiko einer Infektion als sehr gering einzustufen. Die Viruskonzentration im Lusttropfen ist sehr niedrig, dazu kommt eine Verminderung des Infektionsrisikos durch virenhemmende Enzyme im Speichel. Wichtig ist allerdings, dass du keine Verletzungen im Mund, am Zahnfleisch oder im Rachen hast.

Auch Menschen, die Drogen spritzen, sind sehr gefährdet; Spritzbestecke dürfen deshalb nicht von mehreren Menschen nacheinander benutzt werden.

Was tun nach einem Ansteckungsrisiko?

Sofortmaßnahmen nach einem Kondomunfall

- bei Sperma im Mund: Sofort ausspucken und wenn möglich mit 80% Alkohol (Apotheke) ausspülen
- wenn du der aktive Partner beim Analverkehr warst, versuche zu pinkeln, um Reste von Schleimhaut und evtl. Blut auszuspülen
- wenn du der passive Partner warst, darfst du auf keinen Fall eine Darmspülung machen, da das Infektionsrisiko durch die Verletzungsgefahr eher noch steigt

Was ist eine Postexpositionsprophylaxe (PEP)?

Wenn du ein eindeutiges Risiko gehabt hast, sollte versucht werden, das Infektionsrisiko durch eine vierwöchige Gabe von HIV-Medikamenten zu senken (sogenannte Postexpositionsprophylaxe)Postexpositionsprophylaxe bedeutet, dass man versucht, das Infektionsrisiko für HIV direkt nach einem Risikokontakt durch virenhemmende Medikamente zu senken. Ursprünglich wurde dies nur im medizinischen Bereich, beispielsweise bei Nadelstichverletzungen, gemacht. Seit einigen Jahren ist dies auch bei sexuellen Risikokontakten möglich. Hierfür wurden bestimmte Richtlinien festgelegt, in welchen beschrieben ist, bei welchen Risiken eine Behandlung sinnvoll ist. Ganz wichtig ist, dass die Behandlung möglichst früh, d. h. 2-48 Stunden nach einer möglichen Infektion, beginnt. Weiterhin sollte gesichert sein, dass der Partner HIV-positiv ist und der Kontakt ein eindeutiges Infektionsrisiko beinhaltet hat. Falls der HIV-positive Partner HIV-Medikamente nimmt, sollte die Kombination dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden. Die Medikamente müssen für vier Wochen nach einem festgelegten Schema eingenommen werden. Häufig entstehen starke Nebenwirkungen, die unbedingt beim Arzt angesprochen werden sollten. Ein Behandlungserfolg ist nicht gesichert. .

Die Behandlung muss möglichst schnell, d.h. innerhalb von 2-48 Stunden begonnen werden. Deshalb solltest du dies sofort nach dem Risikokontakt, mit einem Arzt einer Notfall- oder HIV-Ambulanz der nächstgelegenen Uni-Klinik oder einer HIV-Schwerpunktpraxis besprechen. Die Telefonnummer der Uni-Klink Köln ist T: 478-0. Entsprechende weitere Adressen bekommst du bei den AIDS-Hilfen; allgemeine Informationen zur Postexpositionsprophylaxe bekommst du auch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter 01805 - 555 444.

Die Telefonnummer der Uni-Klink Köln ist T: 478-0. Entsprechende weitere Adressen bekommst du bei der Deutschen Aidshilfe, www.aidshilfe.de unter HIV/Aids von A-Z, Unterpunkt HIV-Pep. Am Ende des Textes findest du unter "Wo wende ich mich im Ernstfall hin?" eine Adressliste mit Kliniken, die eine PEP anbieten. Informationen zur Postexpositionsprophylaxe bekommst du auch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter 01805 - 555 444, Mo-Do 10.00 - 22.00 Uhr und Fr-So 10.00 - 18.00 Uhr.

Krankheitsanzeichen

Bei einem Teil Infizierten treten ungefähr 1-3 Wochen nach der Ansteckung grippeähnliche Anzeichen auf. Dies können Husten, Schnupfen, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber und ein Hautausschlag sein.

Die Krankheitszeichen klingen nach einiger Zeit wieder ab und die Infektion geht in ein Stadium ohne Anzeichen über, welches viele Jahre dauern kann. In diesem Stadium fühlen sich die Infizierten in der Regel gesund. Trotzdem wird das Immunsystem durch die fortdauernde Virusvermehrung immer weiter geschädigt.

Mit der Zeit können eindringende Krankheitserreger immer weniger abgewehrt werden und es treten vielfältige Infektionskrankheiten, Fieber, Nachtschweiß, Hautveränderungen und Durchfälle auf.

Wenn das Immunsystem durch die Viren so stark geschädigt ist, dass bestimmte Erkrankungen auftreten, die normalerweise im Rahmen einer funktionierenden Abwehr nicht entstehen würden, spricht man von einer AIDS-Erkrankung. Diese Erkrankungen können z. B. eine bestimmte Form der Lungenentzündung, Toxoplasmose und Tuberkulose sein. Ebenso können sich auch durch Viren verursachte Krebsformen und Zellschädigungen des Zentralen Nervensystems entwickeln.

Behandlung

Es ist nicht möglich, die Viren vollständig aus dem Körper zu entfernen. Durch eine Behandlung mit Medikamenten kann aber die Virusvermehrung weitgehend unterdrückt werden. Um dies zu erreichen, müssen lebenslang sehr regelmäßig virenhemmende Medikamente eingenommen werden. Diese Medikamente haben zum Teil schwere Nebenwirkungen, die wiederum eine eigene Behandlung erfordern. Deshalb ist die Einschätzung: "Dann schluck ich halt ein paar Pillen" weit von der Realität eines Lebens mit HIV entfernt.

HIV-Test

Bei einem HIV-Test wird auf HIV-Antikörper getestet. Zunächst wird ein hochempfindlicher Suchtest, der Elisa- Antikörpertest, durchgeführt. Falls dieser reaktiv, das heißt sehr wahrscheinlich positiv ist, muss das Ergebnis in einem zweiten Test, dem Westernblot-Bestätigungstest, nachgewiesen werden. Erst dann darf die Diagnose HIV-positiv gestellt werden.

In sehr seltenen Ausnahmefällen kommen reaktive Ergebnisse des ersten Suchtests vor, die sich als falsch-positiv herausstellen. Dies kann zum Beispiel nach einer kürzlich durchgemachten anderen Infektionskrankheit der Fall sein.

Ein Test ist erst drei Monate nach einem Risikokontakt aussagekräftig, da die Antikörperbildung erst nach dieser Zeit abgeschlossen ist.

Du kannst diesen Test kostenlos und anonym im GesundheitsamtDie meisten Gesundheitsämter bieten einen kostenlosen und anonymen HIV-Test an. In Köln musst du für einen Test unter T: 221-246 02 einen Termin vereinbaren. Seit einiger Zeit kannst du hier auch einen kostenlosen Syphilis-Test machen lassen.  Gesundheitsamt durchführen lassen.

HIV-Schnell-Test

Checkpoint bietet in Kooperation mit Check-Up jeden Donnerstag in der Zeit von 19.00-22.00 Uhr einen HIV-Schnelltest und eine entsprechende Beratung an. Der Test kostet 10 Euro, ist anonym und du bekommst das Ergebnis nach ca. 30 Minuten. Einfach ohne Anmeldung vorbeikommen, Checkpoint, I. Stock, Pipinstr. 7, 50667 Köln, T: 0221- 92 57 68-10.

Bitte beachten:
Das Ergebnis eines HIV-Schnelltests ist ebenfalls erst dann aussagekräftig, wenn der letzte Risikokontakt länger als drei Monate zurückliegt. Erst nach dieser Zeit hat der Körper nach einer Infektion die Antikörper gebildet, die bei diesem Test nachgewiesen werden.

Schutz

Vor einer Infektion mit HIV kannst du dich schützen, indem du die Safer SexZu unterscheiden sind die Begriffe Safer Sex und Safe Sex. Unter Safer Sex versteht man einen weitgehend sicheren Schutz vor einer HIV-Infektion durch den Gebrauch von Kondomen beim Analverkehr und der Vermeidung von Spermakontakt beim Oralverkehr. Da ein Risiko nicht 100%ig ausgeschlossen werden kann, kann ein geringes Restrisiko bestehen bleiben. Unter Safe Sex versteht man den Versuch, ein Infektionsrisiko 100%ig auszuschließen. Eine Möglichkeit dies zu erreichen, kann man zum Beispiel die Verwendung von Kondomen beim Oralverkehr sein. Die Entscheidung, wie viel Sicherheit ein Mensch braucht, hängt von individuellen Faktoren ab und sollte von jedem sorgfältig abgewogen werden. Ebenso ist es sehr wichtig, dass du mit deinem Partner darüber sprichst.  - Regeln beachtest. Drogengebraucher können sich durch Safer UseUm das Infektionsrisiko für HIV und Hepatitis zu vermindern, sollten Spritzutensilien niemals gemeinsam mit anderen benutzt werden.

Safer Use im Drogenbereich beinhaltet viele Faktoren, die die Risiken beim Drogenkonsum vermindern sollen. Wenn du umfassende Informationen zu diesem Thema suchst, findest du sie unter www.aidshilfe.de.
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